Mobbing-Zentrale Schweiz

 

zurück  Startseite

 

 

Psychotherapeutische Beratung und Therapie von Mobbing-Betroffenen

 

Claudine Ott, lic. phil.,

Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, Verhaltenstherapeutin SGVT

 

Zusammenfassung

 

 

Einleitend ruft Claudine Ott die Begriffsgeschichte von Mobbing und die verschiedenen Mobbing-Definitionen in Erinnerung. Es fallen die Namen von Konrad Lorenz, Peter-Paul Heinemann, Heinz Leymann als erste Forscher der sog. Mobbing-Angriffe auf Tier und Mensch. Es gebe keine allgemein anerkannte Mobbing Definition, führt Claudine Ott weiter aus.

 

Claudine Ott wirft dann die Frage auf, ob die Mobber bewusst oder unbewusst handelten, die Grenze zwischen bewusster und unbewusster Haltung sei, wie allgemein bekannt ist, fliessend.

 

In der Folge werden einige der Mobbing-Strategien kurz beleuchtet und ein paar mögliche Motive der Mobber aufgelistet.

 

Was die Persönlichkeitsstruktur der Opfer anbelangt, ist Claudine Ott nach langjähriger Erfahrung als Psychotherapeutin der Meinung, dass im Vergleich zur Gesamtpopulation die Mobbingbetroffenen ängstlicher, unterwürfiger, konfliktscheuer, sensibler seien und kein starkes Selbstwertgefühl hätten. Sie wollten nicht auffallen, sich nicht wehren und auch nicht für ihre Rechte einstehen. Speziell gefährdete Gruppen seien die Migranten und die Secondos; ihr Wunsch nach Integration führe zu einer grösseren Anfälligkeit für Mobbing-Angriffe. Eines der Therapieziele sei es denn auch, die Patienten zu lehren, sich in angemessener Art und Weise zu wehren.

 

Was die Persönlichkeit des Mobbers anbelangt, sei jedermann zu Mobbing fähig.

 

Oft seien es strukturelle Probleme innerhalb einer Unternehmung, die Mobbing auslösten und begünstigten. Im Vordergrund stünden ungeeignete Organisationsstrukturen, mangelhafte Produktionsmethoden, unklare Zuständigkeiten, Monotonie, Stress, Defizite bei der Kommunikation, ungerechte Arbeitsteilung, Über- und Unterforderung, widersprüchliche Anweisungen, mangelnder Handlungsspielraum, Kooperationszwänge, Konkurrenz unter den Mitarbeitern.

 

Die körperlichen und psychischen Folgen von Mobbing werden praxisnah dargestellt.

Ferner wird auf die sozialen und ökonomischen Folgen von Mobbing für die Opfer, die Arbeitgeber und die Volkswirtschaft hingewiesen.

 

Interessant sind insbesondere die Erfahrungen, welche Claudine Ott mit hochqualifizierten Berufsleuten gemacht hat. Die Mobbing- und Burnoutpatienten kehren oft wegen Zweifeln an ihren fachlichen Kompetenzen nicht mehr in ihren angestammten Beruf zurück, was der Volkswirtschaft grossen Schaden zufügt. Ziel der Therapie sei es dann, diese Personen zu ihren Berufen zurückzuführen.

 

Claudine Ott kommt in einem zweiten Teil ihres Vortrages auf die Möglichkeiten zu sprechen, sich bei Mobbing erfolgreich zu wehren. Es stelle sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob es überhaupt erfolgreiche Bewältigungsstrategien gebe.

 

Ausser Krankschreibung und objektiver Veränderung der Arbeitssituation, d.h. Trennung von Mobbern und Gemobbten, gibt es laut Claudine Ott praktisch keinen Ausweg. Sie kennzeichnet diese Abwehrstrategien als eher passiv: Der Mobbing-Situation ausweichen, sie ignorieren.

 

Laut Angaben von Patienten haben Gespräche mit Angreifern, Vorgesetzten und Personalkommissionen wenig geholfen. Krankheitsbedingte Absenzen, Drogen und Pharmaka seien nicht hilfreicher gewesen.

 

Auffallend ist, dass von den fünf herangezogenen Fallbeispielen – eine Stationsleiterin, eine Anästhesieschwester, eine Juristin, ein Informatiker, eine Sozialpädagogin – vier mobbingbetroffene Arbeitnehmer ihr Arbeitsverhältnis während oder nach der Therapie gekündigt haben.

 

Claudine Ott ist der Überzeugung, dass bei einer zerstörten Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Vertrauen nicht mehr hergestellt werden könne. Als Psychotherapeutin empfiehlt sie daher ihren Patienten, nicht länger in einem Betrieb auszuharren, der sie krank und für längere Zeit arbeitsunfähig mache. Arbeitskonflikte liessen sich mit rechtlichen Mitteln nur bedingt lösen, Aufwand und Nutzen müssten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Eine lange Krankheit stelle eine Belastung dar; es sei alles daran zu setzen, dass es den Mobbingbetroffenen nicht noch schlechter gehe. Könne ein Arbeitsverhältnis nicht mehr gerettet werden, sollte Hilfe für optimale Abgangsbedingungen angeboten werden.

 

Körperliche und psychische Symptome von Mobbing fallen der Psychotherapeutin sofort auf. Ohnmachtsgefühle und der Verlust des Selbstwertes sind die schwersten Schäden von Mobbing. Die Patienten berichten, dass „sie sich selber nicht mehr kennen“, dass sie „ausser sich seien“. Es sei paradox, dass die Mobbingbetroffenen nach einer Kündigung in einer schlechten Verfassung auf Stellensuche gehen müssten, wo sie doch beim Bewerbungsgespräch dynamisch, zupackend, energiestrotzend sein sollten. Es sei dann Aufgabe des Therapeuten, den Patienten helfen, ihre Selbstzweifel abzubauen und ihr Selbstwertgefühl aufzubauen.

 

Als Psychologin prüft Claudine Ott im Einzelnen die Unternehmenskultur des Betriebes, in dem der oder die Patientin arbeitet. Sie will wissen, wie man dort miteinander umgeht. Oft müsse leider festgestellt werden, dass unsere Gesellschaft das Phänomen Mobbing zulässt. Die Ethik gehe verloren. Die Werte zerfallen. Viele Arbeitgeber verletzen ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Man verdiene seine 10 Millionen ob man ein guter Arbeitgeber sei oder nicht. Claudine Ott appelliert an das Verantwortungsgefühl für das Gemeinwohl. Mit ihren klaren persönlichen in klarer Sprache geäusserten Meinungen weckt Claudine Ott die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer.

 

Zusammenfassung: Marianne Hofmann 

 

 

 

Copyright Mobbing-Zentrale Schweiz
 

 

  Zuletzt geändert:08.12.2007